Satchmo

Unser Satchmo- ein großer Schweizer Sennhund mit gewaltigen Ausmaßen- soll eine etwa halb so große Hündin der gleichen Rasse decken. In schöner Regelmäßigkeit kommt der Besitzer der Hündin bei uns vorbei, um den beiden ein Schäferstündchen zu ermöglichen. Satchmo will- und wie der will- aber die Dame gibt sich äußerst kapriziös. Erst hält sie ihm ihr Hinterteil hin, aber sobald er aufsteigen will, dreht sie sich blitzschnell um und verbeißt ihn. Unser Satch. betört von der Dame und ihrem Duft, lässt sich dies alles gefallen. Unermüdlich startet er Annäherungsversuch um Annäherungsversuch und bis zu einer bestimmten Grenze ist dieser auch erfolgreich, nur der Akt an sich bleibt ihm verwehrt. Wir, der andere Hundebesitzer und ich, stehen frierend daneben und immer, wenn man denkt, da jetzt packt er es, packt er es eben nicht, äußerst ermüdend und frustrierend das Ganze. Besonders für den armen Satchmo, der nach jedem Damenbesuch auf dem Wohnzimmerboden zusammenklappt und sich bis zum nächsten Morgen nicht mehr rührt. Wie das Tier so der Mensch, geht es mir durch den Kopf, während ich den schlafenden Satchmo betrachte. Die Hundedame ist eindeutig eine Zicke, die die Männer erst heißmacht, dann aber im letzten Moment die Reißleine zieht. So trottelig der Hund, so trottelig die Männer, die seit Urzeiten darauf hereinfallen. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, mag sich Satch gedacht haben, als er eine zufällig vorbeikommende Mischlingshündin bestieg. Sehr gut mein Freund, lass mal Dampf ab und heute Abend zeigen wir der Zicke die kalte Schulter. Ich vergaß, dass er ein typisches Männchen ist. Kaum, dass die Holde eingetroffen war, ließen Duft und Aussehen unseren Satch ins Denkkoma fallen. Aber, was war das? Die Eisprinzessin zeigte sich mehr als geneigt. Woran man sieht, dass es den Damen eindeutig um den richtigen Zeitpunkt geht. Ins menschliche übertragen, heißt das so viel wie, abwarten, bis sie von selber kommt.

Hausputz

Heute ist es trüb, grau und diesig. Gott sei Dank, kann ich da nur sagen. Gestern als die unbarmherzige Sonne schräg durch die Fenster fiel und man jedes Staubkörnchen einzeln erkennen konnte, nahm ich mir vor, morgen, also heute jedem dieser Körnchen den Garaus zu machen. Was soll ich sagen? Der Himmel ist bedeckt, also halte ich mich, was übertriebene Reinigungsaktionen betrifft, ebenfalls bedeckt. Was gestern um ein Haar einer Abrissbirne entgangen ist, sieht heute ganz passabel aus. Ich weiß schon, warum ich ein Fan der Dämmerung und der dunklen Jahreszeit bin. Man sieht alles in einem wohltuenden Licht. Wenn ich jetzt noch bei meiner Runde durch das Haus meine Brille absetze, kommt »Schöner Wohnen« mit diesem edlen und gepflegten Ambiente nicht mit. Unsereins setzt sich ja auch nicht mehr unter eine Neonlampe, wenn er Eindruck schinden will. Da hält man sich bei einer Veranstaltung für die schönste Frau im Saal, verschwindet einen Moment auf der Damentoilette und wird durch Neonröhre und Spiegel mit der gnadenlosen Realität konfrontiert. Den Schock muss man erstmal verdauen! Es ist wie mit den schrägen Sonnenstrahlen, jeder Makel wird auf das grausamste zur Schau gestellt. Hm, wo ist nur meine Sonnenbrille mit den geschliffenen Gläsern? Die müsste doch den Blitzputzblank- Effekt noch verstärken. Tatsächlich! Jetzt sehe ich nicht einmal mehr die Staubfäden an der Zimmerdecke, von Hundehaaren auf dem Boden ganz zu schweigen. In einem derart sauberen Haus steht Lesen und nicht putzen auf meiner Liste. Die Psychologen haben ganz recht. Bevor man sich über einen Zustand erregt, sollte man ihn in einem anderen Licht betrachten!

Sprache

Heutzutage geht man nicht mehr einkaufen, sondern shoppen. Wobei es doch einen Unterschied zwischen den beiden Begriffen gibt. Denn wer hätte je von sich behauptet, er ginge jetzt Milch shoppen? Nein gute alte Lebensmittel werden weiterhin eingekauft, während die Dinge, die hipp und trendy sind, oder wenigstens sein sollen, geshoppt werden. Hört sich auch viel zeitgemäßer an. Ich habe dies jetzt umgedreht und teile verblüfften Zuhören mit, ich würde jetzt Mehl und Eier shoppen, während ich ein Kleid käuflich erwerbe oder eben schlicht und ergreifend, einkaufe. Ähnlich ist es mit dem Verabreden. Man verabredet sich mit Oma Klärchen oder Tante Ilse; der Rest wird gedatet. Wer gibt schon zu, dass er ein Date mit einer Verwandten hat. Eine Zusammenkunft hat man mit Langweilern, mit dem Rest hat man ein Meeting. DieSprache ist da sehr genau. Wenn sich jemand mit mir treffen, statt matchen will, weiß ich genau, ich gehöre zum alten Eisen. Und wenn sich einer mit mir verabredet, statt mich zu daten, wird es langsam Zeit, sich nach einer Grabstelle umzusehen. Trotzdem bestehe ich auf meiner Einkaufszone statt Shopping mall und mache dort einen Einkaufsbummel. Wie man sieht, gibt es für alles und jedes ein deutsches Wort. Ich habe nur die Befürchtung, dass mich in zehn Jahren keiner mehr versteht. Sollte sich aus einen früheren Jahrhundert jemand zu uns verirren, er wäre nicht nur körperlich aus der Zeit gefallen. Nun ist Sprache etwas lebendiges und verändert sich ständig. Aber nicht jede Veränderung stelle gleich eine Verbesserung da.

Hörgerät

Seit gestern lebe ich in einer veränderten Welt. Ich habe ein Hörgerät bekommen und zucke, seitdem ich es einsetzte, unentwegt zusammen. Bei Zuschlagen der Fahrertür wäre ich beinahe auf den Beifahrersitz gesprungen. Ordnungsgemäß schnallte ich mich sogar an, weil mir der Warnpiepton auf die Nerven ging. Wie penetrant er ist, war mir gar nicht aufgefallen. Permanente Luftsprünge der Erschreckens begleiteten mich durch den Tag. Wussten Sie, wie laut eine Klospülung ist? Es tappt, wenn ich die Treppen hinauf gehe. Etwas lauter tappt es beim Heruntergehen. Schade, dass Herbst ist, so kann ich die positiven Seiten dieser Prothese nicht genießen, wie Vogelgezwitscher zum Beispiel. Alles ist zu laut. Die Menschen reden laut und meine Umgebung ist voller Geräusche, die seit langem ungewohnt, da nicht wahrgenommen. Will ich das überhaupt? Naja das Lippenlesen bei Fernsehfilmen ging mir zunehmend auf den Geist. Wussten Sie, wie viel Nuscheler es, außer unserem Till, unter den Schauspielern gibt? Ja, lernen die alle nicht mehr sprechen? Eitel, wie ich nun einmal bin, suchte ich mir beim Hörgeräteakustiker das kleinste Gerät aus. Bis ich dahinter kam, dass die Handhabung nur für Fingerartisten zu bewältigen ist. Also, eine, nein, zwei oder drei Nummern größer. Aber auch da pfriemele ich hilflos auf der Suche nach den Bedienknöpfen an meinen Ohren herum, bis ich das Hinterohrgerät finde. Ich stelle mir vor, ich wäre noch älter. Dann würde ich auf das gute alte Hörrohr zurückgreifen, das mir meine Familie schon seit längerem empfiehlt. Schade, ein wenig Lebensqualität geht verloren. Jetzt kann ich mich aus langweiligen Gesprächen nicht mehr mit der Ausrede ausklinken, dass ich sowieso nicht höre. Aber, warte mal! Das Ding hat doch einen Knopf zum leiser stellen; ich muss nur üben, ihn auf Anhieb zu finden. Dann habe ich die Wahl, ob ich zuhöre oder nicht. Das ist allemal besser, als vollkommen abgeschirmt zu sein!

Gymnastik

Gymnastik soll ja gut für Körper und Geist sein. Also fing ich gestern damit an. Wie es um meinen Körper seitdem bestellt ist, kann ich noch nicht sagen. Mein Geist befindet sich jedenfalls in Aufruhr. Gymnastik erfordert Körperhaltungen, die einen völlig neuen Blick auf die Umgebung erlauben- wer, frage ich, erhält Einblicke unter das Klavier, unter und hinter die Heizungen und bis hinein in die hinterste Sofaecke. Ich konnte nur konstatieren, dass ich in einem Miststall wohne. Bei meinen heutigen Übungen überprüfte ich die Lage noch einmal und konnte nur feststellen, dass sich seit gestern nichts wesentliches geändert hatte. Was tun? Was soll der Besuch nur von mir denken, wenn es ihm plötzlich einfiele, in meinem Wohnzimmer einige Yogaübungen zu absolvieren? Was, wenn jemand sich derart betrinkt, dass er auf allen vieren übers Parkett kriecht und unter das Klavier schaut? Nicht auszudenken, wie ich dann dastehe, wenn jemand bei mir zu Boden geht. Ruhig Blut, sagte ich mir und verlegte meine Übungen ins Schlafzimmer. Das hätte ich besser nicht getan. Fröhlich versammelte Staubflusen wedelten mir freundlich entgegen. Der Umzug in die ehemaligen Kinderzimmer brachte auch keine Erleichterung und im Bad konnte ich endlich einmal die Duschumrandung von unten sehen. So geht das nicht! Was ist, wenn jemand bei mir im Bad eine Rumpfbeuge macht und diese Fläche vor Augen hat? Ratlos saß ich auf dem Badezimmerboden. Ich konnte in Zukunft nur noch stark in ihrer Bewegung eingeschränkte Antialkoholiker einladen. Na, das werden ja tolle Partys! Von den ersten Kopfstandübungen sah ich ab, denn wer weiß, was mir noch alles ins Auge gefallen wäre. Nach kurzer Überlegung stand mein Entschluss fest. Keine Gymnastik mehr, vor allen Dingen keine Bodenübungen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß und was ich nicht sehe, schlägt mir nicht auf das Gemüt. Gott sei Dank ist mein Göttergatte ein absoluter Bewegungsmuffel. Sollte er sich dennoch einmal bücken müssen, werde ich die Bereiche bis in seine Augenhöhe überprüfen und ansonsten: Wer sagt denn, dass ein gesunder Körper wichtiger ist, als ein gesunder Geist?

Trash

Es ist nicht mehr zu leugnen! Ich schaue mir eindeutig die falschen Sendungen an. Trash-TV ist es, was einem richtigen Auftrieb gibt! Nein, keine Hochglanzmenschen in Hochglanzhäusern mit Hochglanzberufen und Hochglanzleben, derlei zieht einen nur runter. Irgendwie bin ich vor einiger Zeit in das Format »Auf Streife« hineingerutscht und konnte mir versichern, so scheiße, wie die da drauf sind, werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr. Den Fernseher ausgeschaltet und mit neuem Elan ging es in den Tag. Seitdem ziehe ich mir jeden Tag eine Sendung dieses Niveaus rein und, was soll ich sagen, mir geht es von Tag zu Tag besser. Es können auch schon mal zwei bis drei Sendungen sein. Garantiert niemals mehr als vier! Das die da permanent rauchen und saufen steckt irgendwie an. Gelegentlich gönne ich mir bereits das eine oder andere Glas Wein am Nachmittag, denn all dies Elend ist ja nüchtern nicht zu ertragen. Wenn es allzu Dicke kommt, greife ich zum Likörchen, befinde mich aber noch meilenweit von dem Zustand entfernt, in dem die da dahin vegetieren. Gestern Morgen setzte ich mich gleich nach dem Aufstehen nur mit einem Bademantel bekleidet vor die Flimmerkiste. Die Hygiene konnte noch warten, denn erst mal musste ich mir ansehen, was bei denen da so los ist. Zustände sind das! Man glaubt es nicht. Heureka, es war noch eine halbe Flasche Wein da, die ich, um mich solidarisch zu zeigen, leerte. Eigentlich wollte ich duschen gehen und mich dann an die Arbeit machen, aber ich kam ins Zappen und zog mir die Eindrücke vollkommenen Scheiterns unverdünnt rein. Schrecklich, wie weit man kommen kann. Kopfschüttelnd machte ich mich auf die Suche nach etwas Alkoholischen. Wie kann man nur so weit sinken. Gegen Abend weckte mich mein Mann. Ich war doch tatsächlich vor dem Fernseher eingeschlafen! Was ich denn zu feiern gehabt hätte, wollte er wissen. Und ich murmelte etwas von Solidarität mit dem Elend dieser Welt. Mehr Elend als das, was er vor sich sähe, könne es gar nicht geben. »Hassu ne Ahnung«, bekam ich noch heraus und erzählte ihm von drogenabhängigen, schwangeren Neunjährigen. Von Müttern, die um acht Uhr bereits völlig knülle sind, von den Vätern ganz zu schweigen. Ich plapperte und plapperte und plapperte. End vom Lied: Ich habe einen Monat Fernsehverbot!

Koalas

Mein Hintergrundbild zeigt einen Koalabären. Possierliche Tierchen, die ca. 20 Stunden am Tag schlafen und vier Stunden lang fressen. Der Sinn ihres Lebens ist demnach mit zwei Kriterien erfüllt: ausreichend Schlaf und ausreichend Futter! Sie leisten nichts, außer Verdauen und trotzdem findet alle Welt sie zum Anbeißen süß. Das möchte ich auch. Ich erkläre den Koalabären zu meinen Wappentier. An den zwanzig Stunden Schlaf arbeite ich zwar noch, aber zehn Stunden sind nicht mehr so weit vom Ziel entfernt. Bei der Nahrung gibt es Probleme, denn schließlich lebe ich nicht wie der Koala auf einem Eukalyptusbaum, auf dem das Futter quasi um einen herum wächst, und vollkommen auf die bitteren Blätter umstellen will ich auch nicht. Ich will auch nicht den lieben langen Tag im Baum herumhängen, wie mir gerade auffällt. Ein bisschen Unterhaltung sollte schon sein. Und da beißt die Katze sich in den Schwanz. Wer nicht bereit ist, mit fressen und schlafen sein Dasein zu fristen, der darf sich auch nicht beklagen, wenn das Leben, das er für sich erkoren hat, Ansprüche an ihn stellt. Wer es stets warm haben, bei geistiger und körperlicher Nahrung unendliche Vielfalt vorfinden will, der braucht nicht nur jemanden, der dafür sorgt, sondern muss schon mal selbst seinen Hintern bewegen. Die Zeiten der Kindheit als man keine materiellen Sorgen kannte, sind lange vorbei. Da kann man noch so zum Anbeißen aussehen. Naja, auf einige Supermodells mag dies ja zutreffen, aber Schönheit ist trotz Fortschritten in der Chirurgie und Botox vergänglich. Und ab dem 25. Lebensjahr sollte Frau das Kindchenschema beiseite lassen. Was wollte ich jetzt eigentlich mit diesem Text sagen? Eigentlich gar nichts; ich wollte mich nur über die täglichen Pflichten beklagen. Wer weiß, ob der Koala das ewige Fressen und Schlafen müssen als Paradies empfindet.

Launen

Meine beiden Hunde müssen mich für schizophren halten. Wenn ich gut drauf bin, erlaube ich ihnen alles. Bin ich aber schlecht drauf, lasse ich ihnen nichts durchgehen. Zwischen diesen beiden Erziehungsstilen prallen die Hunde wie Flipperkugeln hin und her, wovon sie ganz wuschig im Kopf werden. Da geht man Frauchen wohlweislich aus dem Weg, bis sie sich selber Klarheit über ihr Wünschen und Wollen verschafft hat. Meinem Mann geht es ähnlich. Das, was er sagt und tut, kann in einem Moment völlig richtig sein, während es eine halbe Stunde später grundverkehrt daher kommt. Und wenn ich in seinen Augen »Typisch Frau« lese, bringt mich dies noch zusätzlich auf die Palme. Was will ich eigentlich? Ich will zwei gut erzogene Hunde, aber wenn ich mit ihnen schimpfen will, sehen sie mich zum Herz ergreifen reumütig an. Ach, die lieben Tierchen sind ja so süß! Mein Mann ist nicht mehr so süß, sodass ich bei seinem Anblick nicht sofort dahin schmelze. Er ist noch nicht einmal drollig, liebevolles Lächeln entfällt demnach. Wenn er mich auch noch fragt, was zur Hölle ich denn wolle, kann ich nur antworten, dass ich es selber nicht weiß. Männer scheinen den ganzen Tag über mit einer einzigen Stimmung auszukommen. Wenn man meine Stimmungen aufzeichnen würde, käme im Endeffekt eine Kurve wie beim EKG eines Herzens mit Kammerflattern dabei heraus .Besonders bei den Tiefpunkten bin ich, wenn ich mich dort befinde, der Meinung, dass ich Zeit meines Lebens dort verbringen werde. Aber es braucht nur ein Klingeln des Telefons oder an der Haustür, ein netter Mensch nimmt mit mir Kontakt auf, dann wird das Leben zum Heureka rufen schön. Will ich dann Kaffee zubereiten und die Bohnen sind alle, kommt mir die nächste Brücke in den Sinn, von der ich mich in die Fluten stürzen kann. Dies hält minutenlang an, aber mit ihrem Dorftratsch heitert mich meine Besucherin dermaßen auf, dass ich mich richtig gut fühle, was natürlich auch daran liegen kann, dass wir nichts anderes tun als uns gegenseitig zu versichern, dass wir die gesamte Intelligenz des Kaffs darstellen. Der Vergleich nach unten ist so herzerwärmend schön, wie ein Vergleich nach oben tödlich für jeden Frohsinn ist. Wenn sie wieder fort ist, sitze ich mit trommelnden Fingern am Tisch. Nur allzu bereit auch die kleinste Fliege an der Wand als Anlass für einen »Aufreger« zu nutzen. Irgendwie scheine ich die schlechten Gemütslagen zu suchen, während mir Positives in schöner Regelmäßigkeit entgeht. Das wird ab heute anders! Ich setze eine rosarote Brille auf und komme noch nicht einmal in die Nähe von Dingen, die mich herab ziehen könnten. Dies ist zwar sehr schön, aber nach einer gewissen Zeit unglaublich langweilig. Nein, nein, nein. Ich brauche die Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin, dann fühle ich mich wenigstens lebendig.

Horoskop

Die Jugend steht wieder zunehmend auf Astrologie. Schließlich ist es wichtig zu wissen, in welchem Haus sich der persönliche Mond im Moment befindet, ob der Aszendent auf eine deszendente Bahn abrutscht und ob sich Erd- und Wasserzeichen auch in dreißig Jahren noch vertragen. Partnerhoroskope sind besonders gefragt. Was nützt es, sich Hals über Kopf zu verlieben, wenn die Sternzeichen nicht harmonieren. Vielleicht liegt darin der Grund für die enorme Scheidungsrate: Die Menschen gehen vorher nicht mehr zum Sterndeuter. Gibt es diesen ehrenwerten Beruf überhaupt noch? Wenn nicht, werde ich ihn schleunigst ins Leben zurück holen! Was für eine Marktlücke, voreheliche Partnerhoroskope für, sagen wir einmal 300 Euro. Dies ist in Anbetracht der Scheidungskosten nahezu geschenkt! Aus Geburtsort-, Stunde und Datum bekommen die geneigten Kunden ein fünfzigseitiges Explose´ der näheren und ferneren Zukunft. Was sagte ich? 300 Euro? Nein besser 500, denn was nichts kostet, taugt auch nichts. Und wenn die Menschen 50 Euro für ein Horoskop to go am Bahnhof bezahlen, sitzt diese kleine Ausgabe für garantiertes Lebenspech oder Glück beiweitem drin. Glück hat viele Facetten. Es reicht von: Ich bin heute Morgen neben meinem Partner aufgewacht, zu: Ich bin heute Morgen nicht neben meinem Partner aufgewacht, zu: Mein Partner ist heute Morgen nicht aufgewacht. In dieser Bandbreite werde ich meine Horoskope abfassen. Die Spielräume sind groß und etwas trifft immer zu!

Montage

Ich liebe Montage! An keinem Tag der Woche kann ich alles, was ich nur widerwillig oder überhaupt nicht tue, alles, was schief geht und jeden Sekundenschlaf mit dem Tag an sich ausreichend begründen. Wenn auch etwas liegen bleibt: was soll`s, schließlich ist da noch eine ganze Woche, um es zu erledigen. Meine Hunde sehen das ähnlich. Das ganze Wochenende mussten sie pausenlos Gassi-gehen, nur weil Herrchen über die Woche Bewegungsmangel hat. Heute fallen sie dort, wo sie grad stehen, lautlos in sich zusammen und schlafen eine Runde. Genau wie ich! Jeder Weg ist zu viel! Keller und Dachgeschoss scheinen weiter entfernt als an anderen Tagen, also ist vor Antritt des Weges eine erholsame Rast einzulegen. Aber erst mache ich einen Mittagsschlaf, dann die Rast und dann habe ich schon wieder vergessen, was ich eigentlich wollte. Um sich daran erinnern zu können, muss man Platz und Position einnehmen, die man innehatte, als einem der Gedanke kam. Zurück auf das Sofa, konzentriert die Augen geschlossen und …Mist! Schon wieder den halben Tag verschlafen, aber der Tag ist selber schuld. Wieso kommt er auch als Montag daher. Montagen begegnet man am Besten mit geschlossenen Augen und tief schlafendem Gewissen. Jetzt weiß ich schon wieder nicht, was ich eigentlich wollte. Also zurück auf das Sofa, bis es Zeit wird, ins Bett zu gehen! Warum werden Montage nicht einfach abgeschafft? Liegt es daran, dass dann der Dienstag automatisch zum Montag wird, nach dem Motto: Wenn ich meinen Daumen verliere, habe ich dann noch einen Mittelfinger? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich, um meinen Tagesplan wieder zu finden, jetzt umgehend in die Waagerechte muss.