Saudi-Arabien

Na bitte! Der Fortschritt siegt! Ab Juni 2018 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren.Jetzt mögen die deutschen Männer den Kopf schütteln, denn die meisten von ihnen halten ein Fahrverbot für Frauen durchaus für angebracht. Endlich keine Kleinwagen mehr, die gleich zwei Parkplätze auf einmal belegen. Nie mehr Schrammen, die Frau sich nicht erklären kann, am Lieblingskind des Mannes. Keiner mehr der urplötzlich stoppt, um sich nach dem Weg zu erkundigen. Keine Ausbremser mehr, die sich akribisch an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Und, last, but not least, endlich freie Fahrt auf der linken Autobahnspur. Nie wieder im letzten Moment zum Überholen ausscherende überdachte Hupen, die die »Besitzer« dieser Spur, als da sind Porsche, BMW, Audi und Benz, zur Vollbremsung nötigen. Frauen haben ausschließlich das Recht auf Führen eines Fahrzeuges, wenn es darum geht, den nach einer Feier schwer angetrunkenen Gatten heil nachhause zu bringen. Wahrscheinlich hat sich das Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien so lange gehalten, weil den Muslimen der Genuss von Alkohol nicht gestattet ist und die Männer keinen Chauffeur nach ausgiebigen Gelagen brauchen. Die Aufhebung dieses Verbotes ist demnach einzig und allein der Großzügigkeit geschuldet. Ich denke, die dortigen Frauen sollten sich im Gegenzug ebenso generös verhalten und den Männern endlich das eigenständige Denken erlauben. Macht ja auch keinen Spaß, sich strengstens an die Vorschriften eines Propheten zu halten, der in grauer Vorzeit lebte. Besonders, wenn dabei so wunderliche Taten wie sich selbst in die Luft zu sprengen, herauskommen. Das ist nicht schön und tut auch noch weh! Hinzu kommt, dass es die armen Kerle im Bett ausschließlich mit reinen Amateuren des Liebesspiels zu tun haben und niemals erfahren werden, wie es ist, von einer erfahrenen Frau in die Feinheiten des Sex eingeführt(!) zu werden. Ich meine, wenn es darum geht, eine Sache möglichst formvollendet zu erledigen, wählt man doch den Profi und nicht den Amateur. Beim Fußball haben dies einige Golfstaaten doch auch kapiert! Zwar mag dieser Ballsport mitunter als Ersatz für den entspannten Sex herhalten, aber Ersatz bleibt eben Ersatz und kann es mit dem Original nicht aufnehmen. Wo wollte ich jetzt überhaupt hin? Ach ja, der Fortschritt in Saudi-Arabien. Die Fahrerlaubnis für Frauen ist der erste Schritt zur Emanzipation, dem in tausend Jahren eventuell noch weitere folgen!

Geschwindigkeit

An den Straßenrändern stehen oftmals Plakate, die von Hektik im Verkehr abraten. Mir ist einer diese Ratschläge im Gedächtnis geblieben, der da lautet: »Nimm dir Zeit und nicht das Leben!« Zuviel Eile ist demnach schädlich. Aber gilt dies nur, wenn man hinter dem Steuer sitzt? Wer hat denn mehr vom Leben? Die Schlafmützigen oder die Schnellen, die um nichts auf der Welt irgendetwas verpassen wollen? Hat denn jemand, der eine zweitägige Städtetour bucht, die Stadt hinterher überhaupt wahrgenommen? Wenn das Leben nichts weiter ist, als eine Strichliste, die es gilt in kürzester Zeit abzuhaken, wenn wir uns dem Geschwindigkeitsrausch überlassen, bekommen wir dann noch mit, was um uns herum passiert? Ich meine, die Kombination von Geschwindigkeit und Rausch kommt doch nicht von ungefähr! Wenn ich jetzt noch die Lebenszeit eines Kolibris mit der von Schildkröten vergleiche, dann liegt der Schluss nahe: je langsamer, je länger! Intensive Erlebnisse liegen voll im Trend. Nun wird ein Erlebnis erst dann intensiv, wenn man es gleichsam zelebriert und nicht absolviert. Nichts ist intensiver als die japanische Teezeremonie, die unsere to go Mentalität einzig und allein aufgrund ihrer Dauer kaum aushalten würde. Mit geht die Geschichte von den Pionieren nicht aus dem Sinn, die den nordamerikanischen Kontinent in kürzester Zeit erforschen wollten und von ihren indianischen Führern nach zwei Tagen ausgebremst wurden, weil die erst einmal darauf warten wollten, dass ihre Seelen nachkämen. Besser kann man es nicht ausdrücken. Was ohne die dafür notwendige Zeit passiert, passiert ohne Seele. Wer kennt noch den alten Spruch, jemand sei mit Herz und Seele bei einer Sache? Oder wie der Volksmund weiß, dass »gut Ding Weile haben will«? Haben wir, die wir nach Möglichkeit am liebsten zig Dinge gleichzeitig erledigen, noch eine Ahnung davon, was es bedeutet, sich einer Sache voll und ganz zu widmen? Nein, wir titschen flipperkugelgleich von einer Halbfertigkeit zur nächsten, sind am Ende des Tages zwar völlig erschöpft, aber so richtig zufriedenstellend fertig bekommen haben wir nichts. Ich höre schon den Protest, dass es meistens eben an allen Ecken gleichzeitig brennt. Mag sein, aber wer an allen Ecken gleichzeitig zu löschen versucht, kommt in den Flammen um. Die Krankheit unserer Zeit heißt nicht umsonst »Burn out«! Ich finde, die Entschleunigungsplakate sollten nicht nur am Straßenrand, sondern überall stehen. Ein »runter vom Gas, tu es für deine Lieben« macht sich am Arbeitsplatz doch auch recht nett.

Haushaltspolitik

So dicht nach der Bundestagswahl fällt mir auf, wie sehr doch mein Haus der Bundesrepublik gleicht. Ohne großen Plan kam hier kleckerweise alles mögliche zusammen und anstatt eines großen Wurfes besteht meine Hauptaufgabe in der Verwaltung eines natürlich gewachsenen Chaos. Immer wieder lasse ich Dinge über die Schwelle meines Hauses, gerne auch Haustiere, die dann irgendwie in das Gesamtbild integriert werden müssen und da ich eine Abneigung gegen gründliche Entrümpelungen hege, schiebe, räume und platziere ich ständig um, bis der Eindruck von Ordnung entsteht, obwohl auf dem Dachboden in allen Schränken, Schubladen und im Keller ganze Heerscharen von Leichen vor sich hinmodern. Wenn ich so etwas wie die Regierungschefin bin, so fällt meinem Gatten die Rolle der unentwegt meckernden Opposition zu. Aber da bin ich wie Merkel. Er ist schlichtweg zu simpel gestrickt, als dass er mein von Genialität beflügeltes Werk verstehen, geschweige denn würdigen könnte. Es liegt also nicht an meinem Tun an sich, wenn er gelegentlich Tendenzen zur Verzweiflung zeigt, sondern an der fehlenden selbst für ein schlichtes Gemüt wie ihm einleuchtenden Erklärung meinerseits. Wenn er in seiner Kritik erzkonservative, ja ich möchte sagen, radikale Züge im Sinne von »alles muss raus« erkennen lässt, kontere ich mit der Schöpfung, die schließlich jedem Ding seinen Sinn und Zweck zuweist und bemängele sein mangelndes Vertrauen in meine Fähigkeiten. »Das Leben ist nun einmal kein Ponyhof« und erst recht kein Wunschkonzert, nicht in der Politik und im häuslichen Umfeld schon gleich gar nicht. Eine Ehefrau hat man an der Backe wie eine ewige Kanzlerin, ganz davon zu schweigen, dass er selbst schuld ist. Er hätte bei der ersten Wahl ja zweimal hinschauen können. Man wurschtelt sich eben durch, besonders wenn einem die Richtung, in die man eigentlich will nicht klar ist und sie täglich, ach was rede ich, stündlich neu festlegt. Da bin ich ganz bei unserer Kanzlerin. Im Grunde genommen bin ich ein Anhänger japanischer Kargheit, kann aber einen Hang zum Messietum nicht verleugnen. Hinzu kommen äußere Strömungen der Haus- und Gartengestaltung, die durch die Globalisierung verursacht sind. Afrikanische Elemente, asiatische Einflüsse, die Segnungen der fortschreitenden Hausgerätetechnik, Nostalgisches und die zweimal wöchentlich zu erwerbenden Angebote der Discounter, dies bringt noch nicht einmal Angie in ein harmonisches Gesamtbild. Wenn das Chaos zu groß wird, zieh ich eben um! Nach mir die Sintflut! Ich glaube, dies ist auch Merkels Plan!

Personlisierte Werbung

Personalisierte Werbung ist zurzeit in aller Munde. Was mich zu der Frage bringt, was die Internetwerbung, die mich zu verführen sucht, über mich aussagt? Im Sinne von: zeige mir, was dich interessieren könnte und ich zeige dir, wer du bist. Dass diese Belästigung, die unentwegt via Laptop auf mich einprasselt, nicht auf dem aktuellen Stand ist, sieht man am mir dargebotenen reichhaltigen Angebot von selbsttätigen Haushaltsgeräten, sich selbst aktivierenden Putzmitteln, gefolgt von diversen Wunderschwämmen und Tüchern. Diese Phase habe ich schon längst hinter mir. Davor waren es Verdichtungen und Verlängerungen aller Art. Vom Haupthaar über Wimpern und Brauen, was die Natur einem nicht vergönnt, dem kann nachgeholfen werden. Im Prinzip kann anhand der Werbung festgestellt werden, in welchem Lebensabschnitt Frau sich befindet. Steht die Verschönerung der eigenen Person im Mittelpunkt, oder dreht sich bereits alles um Haus und Garten? Ist sie noch in Banalitäten verhaftet, oder auf dem Weg zu ihrem »wahren Selbst«? Wenn Klangschalen und Yogakleidung aufblitzen, zeugt dies vom Beginn der inneren Einkehr. Der nächste Schritt bestünde nun darin, die so erkannte eigene Persönlichkeit auszuleben. In meinem Fall schwebt mir so etwas wie der Marlboro-Mann vor. Eine Marlboro-Frau, wenn man so will. In der Morgendämmerung auf einem Mustang Kaffee schlürfen und sich dabei eine Zigarette nach der anderen anzünden, während sich der verträumte Blick in der endlosen Landschaft verliert und um mich herum Rinder, die abends als Steaks auf dem Grill landen; das nenn ich personalisierte Werbung! Wofür da jetzt genau geworben wird, ist mir im Moment auch nicht ganz klar. Für den Kaffee? Die Zigaretten? Ach das geht ja gar nicht, da in Deutschland verboten. Pornos gehen, aber nur wenn die Zigarette danach entfällt. Wieso komme ich jetzt darauf, was bei den Männern so aufploppt? Vergrößerungen und Verlängerungen? Damendessous und High Heels, dem Fetischismus sei Dank? Oder ist Mann schon in der Phase, in der ihn Motorräder und Golfschläger interessieren? Von da an ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Kochrezepten und Gebisshaftcremes. Und wenn beiden Mann und Frau Inkontinenzeinlagen angepriesen werden, sollte man langsam anfangen, nach Särgen oder Urnen zu googeln. Da wird dauernd rumgejammert, dass es im Leben nichts von Dauer mehr gibt. Dabei wird demnächst jeder von uns einen ständigen Begleiter haben: die personalisierte Werbung!

Teufelswerk

Ich persönlich halte den Gottesbegriff für eine Erfindung des Teufels. Da dieser bekanntlich im Detail steckt, können wir noch so größenwahnsinnig in die Höhe bauen oder gar bis in den Weltraum vordringen, jede Mission der Ungeduldigen unter uns, endete letztendlich im Chaos und in der Vernichtung. Im Grunde genommen hantieren wir immer noch am Turm zu Babel herum. Weil jedes menschliche Tun bislang ausnahmslos ins Verderben führte, brauchen wir so etwas wie das Prinzip Hoffnung, also quasi einen liebenden Gott, der irgendwann alles zu einem guten Ende bringt. Sonst würden wir ja, wenn uns das erste Mal aufgeht, dass die Welt eben nicht so funktioniert, wie wir es gerne hätten, sofort die Klamotten schmeißen . Gott hält uns bei der Stange und der Teufel kriegt sich vor Lachen nicht mehr ein. Ganz perfide wird es, wenn von himmlischer Gerechtigkeit gefaselt wird. Hoffnung über den Tod hinaus, darauf muss man erst einmal kommen! Wenn post mortem alles seinen gerechten Gang geht, leiden wir hier auf Erden doch gerne ein bisschen, denn am Ende bekommt der Böse eins auf den Deckel, während wir uns im Harfenspiel ergehen oder stets sich erneuernden Jungfrauen beiwohnen. Müssten dann nicht alle Frauen lesbisch werden oder begleiten sie den ewigen Beischlaf auf der Harfe? Aber ich schweife ab. Wir mögen zwar Kinder belächeln, die noch an den Weihnachtsmann glauben; aber, frage ich mich, was ist Gott am Ende denn anderes, wenn er seine Gaben unter den Braven verteilt. Also darbt ruhig und hungert, lasst euch ausnutzen und an der Nase herumführen, haut euch meinetwegen gegenseitig die Köpfe ein und leidet, leidet, leidet, denn so ist euch die Seligkeit gewiss! Der Christ an sich hat das Leiden zu seiner Hauptaufgabe gemacht und wenn sich selbst Gottes Sohn ohne den geringsten Widerstand ans Kreuz nageln lässt und mit selbstlosem Beispiel voran geht, werden wir einen Teufel tun und gegen Unterdrückung protestieren. Interessanter Volksmund Protest mit dem Tun des Teufels gleichzusetzen! Gott sei Dank reden wir nicht mehr von göttlicher Ordnung, wenn ein bleicher, durch Inzucht wunderlich gewordener Monarch den Kniefall verlangt. Aber was ist mit dem Papst und seinen Kirchenobersten? Wäre es nicht absolut teuflisch, wenn sie gar nicht an Gott glaubten, uns aber ein X für ein U vormachten? Lebt nicht der wahrhaft Gläubige in Armut und vor allen Dingen in Demut? Wer schuldet hier wem einen Kniefall? Natürlich leben die meisten von uns nicht mehr in Gottesfurcht, aber dieses »Edel sei der Mensch, hilfreich und gut«, und wenn er auch dabei auf der Strecke bleibt, steckt irgendwie noch immer in uns drin. Es sind die Teuflischen, die das Sagen haben. So gesehen, tut der Teufel weit mehr für seine Anhängerschaft als Gott es jemals tat. Er erfand sogar dieses Allmächtige und Allwissende Trugbild, damit alles in seinem Sinne läuft.

Gleichgewicht des Schreckens

Wenn ich meine vormalige Tätigkeit als Hausärztin mit meiner jetzigen Tätigkeit als Hausfrau vergleiche, stelle ich ein Gleichgewicht des Schreckens fest. Der Versuch Patienten die Nachteile schlechter Ernährung zu erklären erwies sich als ebenso sinnlos wie der Versuch, meinen Hunden den Bellalarm bei jeder Kleinigkeit abzugewöhnen.
Nun brachte ich bei meinen Hunden ein Anti-Bell-Halsband zum Einsatz, das wunderbar funktioniert. Jetzt überlege ich, ob meine verzweifelten Bekehrungsbemühungen bei Patienten, nicht durch den Gebrauch eines Anti-Fress-Halsbandes enorm erleichtert worden wären. Mein Garten sieht durch unsere tierischen Mitbewohner in etwa so aus wie seinerzeit mein Sprechzimmer, wenn eine, womöglich vormals als Kindergärtnerin tätige Mutter mit ihren nicht erzogenen Sprösslingen zugegen war. Kinder zu impfen ist ebenso schwierig, wie meinem Jack-Russel eine Spritze zu verpassen, wobei Kinder den Vorteil haben, nur in seltenen Fällen zuzubeißen. Deswegen läuft mein wehrhafter Köter immer noch mit den Restfäden einer alten Operation herum, da deren Entfernung mit dem Leben desjenigen, der einen Versuch in diese Richtung wagt, unvereinbar ist. Bei Kindern müssen sie da durch, auch wenn der Schreihals Gift und Galle spuckt, denn Eltern sehen es nicht gerne, wenn ihr kleiner Raufbold zeit seines Lebens durch diverse Restfäden gezeichnet ist. Da er andererseits bei seiner Sozialisation demnächst im Tattoo- bzw. Extrem-Piercing-Studio landet, frage ich mich, ob die kleinen blauen Fäden den Kohl dann noch fett gemacht hätten. Nun pflege ich mich bei meinem Tierarzt für die mangelhafte Erziehung meines Hundes zu entschuldigen, eine Tatsache, die bei Eltern nie unter keinen Umständen und überhaupt nicht vorkommt! Nur einmal wagte ich es, einen dieser Engel, der sich in den hölzernen Mundspatel verbissen hatte, solange ins Wartezimmer abzuschieben, bis der Kieferkrampf sich gelöst hätte. Die Mutter zog beleidigt, samt Spatel und Kind davon und ließ sich nie wieder blicken, was aber kein großer Verlust war, da ich in der Zeit, die die jeweilige Untersuchung dieses Engels in Anspruch nahm, locker drei ältere Patienten ausführlich behandeln konnte. Ansonsten bleibt sich alles gleich. Patienten tun niemals, was man ihnen sagt, genau wie Ehemänner, Kinder und Hunde. Sie sind in den meisten Fällen einfach nur lästig, wie Ehemänner, Kinder und Hunde. Nur dass die Auseinandersetzung mit ihnen besser honoriert wird, als die Auseinandersetzung mit Ehemännern, Kindern und Hunden!

Gott

Geschehen noch Zeichen und Wunder? Am Freitagabend führte ich eine lebhafte Diskussion mit Freunden über Gott. Religionstechnisch war alles, was unter der Rubrik Vernunft zu finden ist, vertreten. Atheisten, Agnostiker und ein Pastafari zählten zur Gesprächsrunde. Insgesamt kamen wir aber zu dem Zwischenergebnis, dass man in Bezug auf Gott nichts genaues weiß. Worüber man nichts weiß, darüber sollte man nicht reden und schon gar nicht predigen, möchte man meinen, aber da gerade die Ungewissheit gerne mit allerlei Blödsinn gefüllt wird, wird gepredigt und prophezeit, was das Zeug hält. Weinseligkeit macht die himmlische Seligkeit unnötig. Jedenfalls solange sie anhält. Und so erkannten wir, dass das Universum, um zu funktionieren, keinen Gott benötigt. Dabei gehört es doch zur Allmächtigkeit, dass nichts ohne einen funktioniert, möchte man meinen. Aber ich schweife ab. Mit Logik lässt sich jeder Gott eliminieren, aber kein Gott eindeutig beweisen; mit dieser Gewissheit gingen wir auseinander.Ein Sieg der reinen Vernunft, wenn man so will. Selbst die alten Römer wussten schon, dass in vino veritas liegt. In aller Herrgottsfrühe(!) klingelte es an meiner Tür. Als ich verschlafen öffnete, standen dort zwei junge Mädchen, die mir das wunderbare Buch Bibel ans Herz legen wollten. War dies vielleicht ein himmlisches Zeichen, das mich von meinem Irrweg der Vernunft abbringen wollte? Blödsinn, ermahnte ich mich. Irgendwie war mir nicht nach einer weiteren Gottesdiskussion zu Mute; ich wimmelte die beiden freundlich aber bestimmt ab und verzog mich für eine weitere Runde Schlaf in mein Bett. Kaum dass mein müdes Haupt erneut das Kissen berührte, klingelte es schon wieder. Diesmal waren es die Zeugen Jehovas, die mich mit ihrem Wachturm zur Umkehr bewegen wollten. Erst nach einer geschlagenen halben Stunde gelang es mir, ihnen die Tür vor der Nase zu schließen. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Da steckte doch System dahinter! Wer mochte sich wohl als Nächstes vor meiner Tür versammeln, um mir den rechten Weg zu weisen? Da ich von allerlei befremdlichen Sekten wie den Reformierten, Altreformierten und Herrenhutern regelrecht umzingelt bin und zu allem Überfluss mitten im Bibelgürtel lebe, befürchtete ich das Schlimmste. Wer weiß, welche menschlichen oder gar himmlischen Ohren unserem gotteslästerlichen Reden lauschten? Gott sei Dank (!) blieb ich von weiteren Bekehrungsversuchen verschont, hätte aber, wenn ich mich zu den fanatisch Gläubigen zählte, in den morgendlichen Störungen, einen Hinweis von ganz oben gesehen. Des Weiteren wären mir die Nervtöter als göttliche Abgesandte in Menschengestalt vorgekommen. Wenn Gott sich schon als brennender Dornbusch tarnt, warum dann nicht auch als Zeuge Jehovas? Er wäre somit dann sein eigener Zeuge, was nicht sehr viel Sinn ergibt. Da hätte er ja gleich persönlich vorbeischauen können. Leider zeigt sich Gott nicht, um Himmels willen(!), er offenbart sich. Heute würde man dazu, er outet sich, sagen. Wenn man sich outet, gibt man meistens an, als was oder zu was man sich bekennt. Aber, wenn es ihn nun doch gäbe, kann er sich nur schuldig bekennen.

Mode

Gestern Großankündigung mittels Plakaten bei einem Discounter. Ab dem 18. September ist die, von einem in seiner Raffgier kaum zu übertreffenden Restbestand einer einstigen Modellkarriere, entworfene Mode zu Schleuderpreisen erhältlich. Frau kann sich demnach preisgünstig in enge Schalen zwängen, damit sie ein Hauch von Haute Couture umweht, oder besser gesagt, umklammert. Der Durchschnittshintern im hautengen Mini, dazu die Schlupfbluse im Leopardenmuster, das ultimative Outfit für den Besuch im Supermarkt! Zwischen Kraut und Kohl kommt Frau sich dann vor, wie auf den luxuriösesten Laufstegen dieser Welt und all dies für unter zwanzig Euro! Wenn sich eine selbsternannte Diva schon dazu herablässt, die Normalfrau zur Kenntnis zu nehmen, dann sollte Frau dies auch dankbar annehmen. Ich habe in meinem unerschöpflichen Schuhvorrat ein Paar High Heels im Raubtiermuster, dessen Erwerb wohl einem spontanen Anfall von Wahnsinn geschuldet ist, entdeckt. Da mit diesen Mordinstrumenten nur Kurzstrecken möglich sind, die in etwa dem Weg vom Küchenmülleimer zur Mülltonne entsprechen, hätte ich sowohl das passende Event als auch das passende Schuhwerk für die Discountermodelinie. Um im Gleichgewicht zu bleiben, müsste ich nur den Hausmüll in die eine und den gelben Sack in die andere Hand nehmen. Wenn ich jetzt noch die Kiste mit dem Altpapier auf dem Kopf balanciere, wäre auch der aufrechten Haltung, die auf einem Laufsteg erforderlich ist, Rechnung getragen. So wäre aus dem banalen Geschehen der Müllentsorgung, ein exklusives Ereignis geworden. Kleider machen eben Leute! Im Übrigen wäre somit auch meine älteste Tochter ausgebremst, die sich mir jedes Mal verzweifelt in den Weg wirft, wenn sie mitbekommt, in welchen Klamotten ich Richtung Mülltonne, also quasi in den öffentlichen Raum, marschiere. Ein ewiger Streitpunkt zwischen uns, da ich es bislang nicht für nötig hielt, mich für diesen Gang besonders auszustaffieren. Dem Discounter sei Dank, ist demnächst auch diese Lücke in meinem Kleidervorrat geschlossen.

Phrasen

Mit zunehmendem Alter stelle ich fest, dass mir »Etepetete-Worte« gründlich auf den Geist gehen. Ausdrücke wie feingewürzt, wohltemperiert, handverlesen, zartschmelzend und Figur- oder Gaumen schmeichelnd bringen mich geradewegs auf die Palme. Dem »milden Abgang« gebührt der totale Abgang und zwar unverzüglich! Im Bereich der Verdauung mag er zwar noch einsetzbar sein, aber wenn jemandem einer abgeht, weil ihm irgendetwas problemlos durch die Kehle flutscht und er sich eines andere beeindruckenden Kommentars darüber nicht enthalten kann, werde ich mich demnächst erheben und über meinen morgendlichen milden Abgang referieren. Den erlesenen Worten ist sogar die Herabsetzung zu Wörtern zuwider. Dabei dient das wohlgesetzte Wort vor allen Dingen einem: der Verschleierung! An ihren Phrasen sollt ihr sie erkennen, möchte ich unentwegt rufen, wenn denn mal einer zuhörte! Derjenige, der den handverlesenen Wein goutiert und seine Umgebung in wohl gesetzten Worten darüber nicht in Unkenntnis lässt, sagt frei übersetzt: »Habt ihr Torfköppe immer noch nicht kapiert, dass ich was Besseres bin als ihr?« Dicht gefolgt von demjenigen, der eine exklusive Mahlzeit mit Worten zelebriert. Ein guter dritter Platz gebührt den verschwurbelten Exzessen, denen sich Literatur-, Kunst oder Musikkritiker hingeben. Worte um ihrer selbst willen beenden jede Kommunikation! Dabei besitzt doch nichts so viel Aussagekraft wie die schlichten Wörter: »Wichtig ist auf`m Platz!«, wenn es, wie in diesem Falle, um Fußball geht. »Ich habe fertig«, beinhaltet glasklar die Beendigung einer Tätigkeit und deren geistiger Beschäftigung damit. Wer ist noch in der Lage, die tiefe Philosophie einer einfachen Zustandsbeschreibung wie. »Der Ball ist rund, und das Spiel dauert neunzig Minuten!«, zu erkennen? Besser wurde die Geworfenheit des Menschen in ein gegebenes Schicksal nie ausgedrückt! Da wird man nicht dusselig gequatscht, sondern da wird Raum für eigene Gedanken frei! Wahrscheinlich setzt sich bei mir meine Herkunft durch, denn das Ruhrgebiet ist für seine prägnante Sprache bekannt. »Mach hinne!« Zwei Wörter reichen aus, um mitzuteilen, dass wenn sich nicht beeilt wird, eine mögliche Verspätung mit unabsehbaren Folgen droht. Da sorgt allein die Verknappung der Sprache aufgrund der Phantasien, die im Angesprochenen entstehen, dafür, dass dieser sich beeilt! Und, um auf Gaumengenüsse zurückzukommen, lecker oder nicht lecker reicht vollkommen, um sich dann wichtigeren Dingen zu widmen. Schmeckt oder schmeckt nicht ist hier fehl am Platze, denn schmecken tut es auf jeden Fall im positiven wie im negativen Sinne. Wer sich in schönen Worten ergeht, der redet nicht mit mir, der predigt und verlangt von mir, dass ich die Kanzel, von der er auf mich herabsieht, geistig vor Augen habe. Ein kurzes »komma runter« hat noch jeden Höhenflug dieser Art beendet.

Glückseligkeit

Gestern schaute ich mir die Verfilmung von »Hectors Reise« an. Nun will mir ein Satz daraus nicht mehr aus dem Kopf gehen. »Wir haben die Verpflichtung glücklich zu sein!« Eine vollkommen neue Gemengelage. Andererseits kennt der Volksmund genug Sprüche wie: Er/Sie rennt ständig mit dem Kopf gegen die Wand. Er/Sie steht sich ständig selbst im Weg. Er/Sie stolpert ständig über die eigenen Beine. Wenn wir das glücklich sein als Verpflichtung empfänden, hieße dies doch zunächst gründlich in der eigenen Glückverhinderungsmottenkiste aufzuräumen! An oberster Stelle kämen bei mir die Selbstvorwürfe. Wenn ich glückserfüllt ein hoch erbauliches Buch lese und sich mir gleichzeitig die Hundespuren auf dem Fußboden unentwegt dazwischen drängen, dann liegt es an mir, wie ich die Rangfolge der Pflichten gestalte. Ins Allgemeine übertragen stünde hier das Wirtschaftswachstum gegen das Glückswachstum der Gesellschaft. Es wird außer in Bhutan in keinem anderen Land erhoben. Es stand auch noch nie zur Debatte, den Artikel eins des Grundgesetzes um »ebenfalls ist das Glück des Einzelnen unantastbar« zu erweitern. Auch in den zehn Geboten sucht man den Passus »Sei glücklich!« vergebens. Und wer in seinem Arbeitszeugnis den Satz: Er/Sie war stets glücklich und zufrieden« findet, braucht mit dieser Bewertung nicht auf Jobsuche zu gehen. Im Erziehungswesen wird vom Bildungsauftrag geredet und nicht davon, wie man lernt glücklich zu sein. Im Moment stehen die Bundestagswahlen an und es findet sich nicht eine Partei, die verspricht, für ausreichend Glück in der Bevölkerung zu sorgen. Wenn demnach immer und überall das Glück unter ferner liefen, kursiert, ist und bleibt jeder »seines Glückes Schmied« und kann selber sehen, wie er klarkommt. Dabei glaube ich, dass bei einer Umfrage in Bezug auf zukünftige Ziele, keiner mit einem »einfach glücklich sein« antworten würde. Wir ordnen das persönliche Glück bereits selber ziemlich weit unten ein. Irgendwie haben wir alle im Kopf, dass Glück sich einstellt, wenn wir alle Vorbedingungen geschaffen, alle Hindernisse aus dem Weg geräumt und alles Sollen erfüllt haben. Selbst die Glückseligkeit eines imaginären Paradieses muss erst verdient werden, was im Extremfall Auswüchse wie Selbstsprengungen beinhaltet. Belohnungen gibt es nur für Wohlverhalten, was bereits jedes Kind, das zitternd vor dem Nikolaus mit seinem goldenen Buch steht, bestätigen kann. Erwachsenen Kindern gibt man gerne ein »sei vorsichtig und pass auf dich auf« mit auf den Weg dabei wäre ein »sei glücklich« auch »nicht von schlechten Eltern«! Zu Pflichten muss ermahnt, erzogen und gedrängt werden. Wenn ich jetzt das Glück als vornehmste Pflicht betrachte, dann bedarf es einer grundlegenden Revision, ach was rede ich, Revolution in der Erziehung. Die Frage »macht mich das glücklich« verlangt die vordringlichste Aufmerksamkeit. Was nicht bejaht werden kann, gehört konsequent entsorgt, wenn ja wenn die Verpflichtung zum Glück bestünde, was ein schöner, vielleicht irgendwann zu verwirklichender Wunschtraum ist.